Einst gehörten die Rathenau-Hallen zu einem der wichtigsten Industriezentren Deutschlands. Heute wird das Gelände revitalisiert und so zu einem modernen durchmischten Quartier zum Leben und Arbeiten. Neben bestehendem Gewerbe sollen ein Hotel, Büros und Einzelhandel, aber auch Grünzonen, Wohnungen, eine Kindertagesstätte und ein öffentlich nutzbarer Weg entlang der Spree entstehen.

Maßgeblich für die Entwicklung der Rathenau-Hallen ist der Flächennutzungsplan für Berlin (Stand 2016). Während der Flächennutzungsplan den Industriebestand entlang der Spree ganz überwiegend als gewerbliche Baufläche festschreibt, sieht er für das Gebiet der Rathenau-Hallen ausdrücklich eine gemischte Baufläche (Mischgebiet) vor.
Das bedeutet, dass hier Wohnen und Gewerbe grundsätzlich gleichberechtigt nebeneinander entstehen können. Der Bebauungsplan für die Revitalisierung der Rathenau-Hallen muss sich grundsätzlich an die Vorgaben des Flächennutzungsplans halten, so dass Wohnen und Gewerbe auch planungsrechtlich gleichermaßen zulässig sind.
Allerdings soll das Wohnen auf Wunsch des Bezirks eine untergeordnete Funktion haben. Deshalb wird es auch nicht mehr als 25 Prozent der Nutzfläche umfassen.

 

Gewerbe

Bereits heute sind auf dem Gelände zahlreiche Gewerbetreibende, Handwerker und Künstler, ansässig. Ziel ist, die Rathenau-Hallen vor allem als wichtigen Gewerbestandort in Oberschöneweide zu erhalten, indem die Nutzungsbedingungen für die bisherigen Mieter verbessert werden.
Gleichzeitig soll sich auf dem Gelände eine „Berliner Mischung“ aus gewerblicher und wohnlicher Nutzung etablieren. So hat beispielsweise die benachbarte Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW) Interesse bekundet, durch eine lebendige Mischung aus Wohnen und Arbeiten Oberschöneweide attraktiver zu machen und Einrichtungen in den Rathenau-Hallen für den eigenen Bedarf zu nutzen.

Wohnen

Die untergeordnete Wohnnutzung (maximal 25 Prozent) macht den Standort attraktiv und lebendig. Im Vergleich zu allgemeinen Wohngebieten ist bei dieser Form der Mischnutzung auch der Schutzanspruch des Wohnens herabgestuft, damit auch die Gewerbebetriebe am Standort existieren können – insbesondere in Bezug auf Lärmemissionen.
Das Wohnen wird entlang der Spree in überwiegend neu zu errichtenden Gebäuden realisiert. So ist sichergestellt, dass kaum vorhandener Gewerberaum entfällt und dennoch eine attraktive Mischung von Wohnen und Arbeiten entsteht. Sowohl Eigentums- als auch Mietwohnungen sind vorgesehen. So wird Oberschöneweide noch vitaler. Wohnungen für Familien, Studierende oder Gastprofessoren und ausländische Studierende der HTW helfen dem ganzen Standort in seiner Entwicklung.

Bebauungsplan

Aktuell entwickelt der Bezirk Treptow-Köpenick einen Bebauungsplan für das Gelände. Dabei wird großer Wert auf die Abwägung der Interessen gelegt, die Teil der Revitalisierung der Rathenau-Hallen sind.

Der Bebauungsplan soll festlegen, welche Teile des Geländes ausschließlich einer gewerblichen Nutzung unterliegen und welche Teile neben dem Gewerbe auch das Wohnen ermöglichen. Weiterhin schreibt er die Verpflichtung des Eigentümers zum Bau einer Kindertagesstätte und den Mindestanteil an sozialem Wohnungsbau fest. Der vom Bauherrn zu errichtende Grünzug entlang der Spree mit Fuß- und Fahrradweg wird im Bebauungsplan ebenfalls gesichert. Der Grünzug wird danach öffentlich nutzbar sein. Da das gesamte Gelände der Rathenauhallen unter Denkmalschutz steht, erfolgt auch diese Planung in enger Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt.

Mit der Festsetzung des Bebauungsplans wird im Jahr 2017 gerechnet.

Dialog

Auch die Mieter und Anwohner wurden bereits frühzeitig in die Bebauungsplanung des Geländes einbezogen. Ende 2015 fand dazu eine Informationsveranstaltung statt, an der über 110 Besucher teilnahmen.

Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) und der Stadtentwicklungsausschuss befassten sich in mehreren Sitzungen mit dem Gelände. Die Fraktionen machten deutlich, welche Anforderungen sie an die Planung stellen. Besonders betont hat die BVV dies im Beschluss vom 3. März 2016. Primäres Ziel der städtebaulichen Entwicklung soll demnach die Stärkung von Kreativwirtschaft, Kunst und Kultur, Dienstleistung sowie Forschung und Wissenschaft sein.
Andere Nutzungen, wie insbesondere die Wohnnutzung, sollen nur dann ausgewiesen werden, wenn sie dieser Entwicklung nicht entgegenstehen. Dort, wo Wohnflächen entstehen, sind diese gemäß des Beschlusses deutlich, insbesondere räumlich, von Gewerbeflächen abzugrenzen.

Nächste Schritte

Zurzeit gehen die Arbeiten am Bebauungsplan voran. Die verkehrliche Erschließung wird überprüft und naturschutzrechtliche Erfordernisse abgearbeitet. Zudem konkretisiert die Planung Lage und Ausgestaltung der neuen Gebäude und legt die Anforderungen an den öffentlichen Grünzug fest.